Getragen zu werden, entspricht der Natur des Menschen!

Fast 10 Monate verbrachte Dein Baby in Deinem Bauch. Seine Umgebung war wunderbar warm und weich, es fühlte sich behütet und sicher. Mit der Geburt muss Dein Baby plötzlich seine schützende Hülle verlassen, alles ist groß und weit, die Welt steht Kopf. Auch wenn wir als "fertiger Mensch" zur Welt kommen, so sind doch noch nicht alle Körperfunktionen vollständig entwickelt. Wir können uns nicht alleine fortbewegen oder unsere Körpertemperatur halten. Umso wichtiger ist auch der nachgeburtliche Schutz durch Mama. Du spürst instinktiv, dass Dein Baby Nähe und Geborgenheit braucht, um sich gut zu entwickeln.

 

Eine kleine Zeitreise

Schon immer wurden Menschenbabys getragen, sei es auf dem Arm oder in einer speziellen Tragevorrichtung. Selbst die Jungfrau Maria wird in verschiedenen Gemälden mit dem Jesuskind in einer Art Tragegurt gezeigt.

 

Im Zeitalter der Aufklärung verwarf man das Tragen urplötzlich als unnatürlich und hinderlich. Das Tragen des Babys am Körper wurde zum Zeichen für Armut und Besitzlosigkeit. Innerhalb weniger Jahrzehnte schafften es die Menschen, Tragen komplett aus der Gesellschaft zu verbannen und eine Distanz zu ihren Babys zu schaffen. Dazu trug auch der Kinderwagen bei, der zu diesem Zweck erfunden wurde. Denn diesen konnten sich die ärmeren Schichten nicht leisten.

 

Erst in den 70er Jahren beschäftigte sich die Wissenschaft wieder vermehrt mit dem Thema Tragen. Der Verhaltensbiologe B. Hassmann prägte den Begriff des Traglings, ein Oberbegriff für alle Lebewesen, die von einem Elternteil getragen werden, da sie sich noch nicht alleine fortbewegen können.

Der Tragling

Woran können wir nun erkennen, dass der Mensch ein Tragling ist?

 

Die ersten 2-3 Lebensmonate sind die Hände von Neugeborenen zu Fäusten geballt. Der Greifreflex ist ähnlich wie beim Affen enorm ausgeprägt, was für eine dauerhafte Tragesituation spricht.

 

Legt man das Baby ab, fühlt es sich verlassen und fängt in der Regel an zu weinen. Es wird außerdem automatisch die Beine anziehen und die Arme ausstrecken. Es signalisiert: Ich möchte getragen werden.

 

Auch unser Körper ist zum Tragen gemacht. Ein gerundeter Rücken, ein gestützter Nacken und angehockte Beinchen - das ist die Haltung, die für die Reifung eines Neugeborenen außerhalb des Mutterleibes perfekt ist. Genau diese Haltung nehmen Babys auch ein, wenn sie getragen werden.

 

 

 

 

Anhand der Wirbelsäule eines Babys erkennt man ebenfalls, dass wir für den aufrechten Transport gedacht sind. Direkt nach der Geburt ist der Rücken noch komplett rund, die Aufrichtung innerhalb des ersten Lebensjahres erfolgt durch die stetige Entwicklung der Muskulatur. Anatomisch korrektes Tragen unterstützt diese Entwicklung. 

Neben diesen offensichtlichen Merkmalen gibt es noch weitere Auffälligkeiten, die dafür sprechen, dass der Mensch ein Tragling ist. Zum Beispiel die Tatsache, dass Bewegung den Säugling beruhigt. Körperkontakt in Kombination mit Bewegung wirkt einschläfernd für das Baby. Es fühlt sich behütet und beschützt.

 

Zudem wird beim Tragen das Kuschelhormon Oxytocin freigesetzt. Es stärkt die Bindung und das Urvertrauen zwischen Tragling und Tragendem, beide sind enorm wichtig für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung. Studien haben gezeigt, dass Babys, die im ersten Lebensjahr getragen wurden, später mehr Glückshormone freisetzen als Kinder, die wenig bedürfnisorientierten Umgang erleben durften.

 

Getragene Babys sind zufriedener, schlafen in der Regel besser und entwickeln sich motorisch schneller, da durch das aufrechte Tragen die Tiefenmuskulatur angeregt wird und sich der Muskeltones verbessert.

 

Dein Baby möchte also nicht nur getragen werden, es erwartet dies sogar von Dir!

Mit allen Sinnen

Beim Tragen Deines Babys werden alle seine Sinne angeregt. Dein Baby befindet sich mit Dir auf Augenhöhe, kann seine Umwelt geschützt wahrnehmen und Deine Mimik besser deuten. Es atmet Deinen Körpergeruch ein, fühlt sich dadurch geborgen und kann jederzeit durch saugen oder schmatzen signalisieren, dass es gestillt werden möchte. Dein Herzschlag beruhigt Dein Baby, wenn es ihm zu viel wird, kann es einfach die Augen schließen und sich an Dich kuscheln.

Für die Seele

Es liegt in der Natur des Menschen getragen zu werden. Unser Körper ist dafür ausgelegt getragen zu werden, Tragen stärkt das Urvertrauen und beeinflusst die Persönlichkeitsentwicklung, Tragen hilft dem Baby sich und seine Umwelt besser wahrzunehmen.

 

Doch Tragen ist vor allem Balsam für die Seele! Du wirst schnell merken, Dein Baby ist ausgeglichener, denn es erfährt Sicherheit und Geborgenheit. Es wird weniger Bauchweh haben, weniger weinen und besser schlafen. Auch Du wirst sicherer werden im Umgang mit Deinem Kind, denn Du folgst Deinen Instinkten und erfüllst seine Bedürfnisse auf ganz natürliche und selbstverständliche Art und Weise.