Tragen ist artgerecht!

Auch wenn Tragen so alt ist wie die Menschheit selbst, sind tragende Eltern immer noch eine recht seltene Spezies im Stadtbild. Nicht selten begegnet man ihnen gegenüber mit Vorurteilen und Skepsis. Grund dafür ist oftmals einfach Unwissenheit und fehlende Aufklärung. Damit Trageeltern in Zukunft die passenden Antworten haben, findet ihr hier eine Auflistung der am häufigsten gestellten Fragen, natürlich mit schlagfertigen Argumenten und Fachwissen!

Sollten Babys die ersten Wochen nicht besser liegen?

Nein! Menschenbabys sind Traglinge, genauso wie Affen oder Koalas. Wir kommen mit einem gerundeten Rücken zur Welt, unsere Wirbelsäule zeigt deutlich, dass wir für den aufrechten Transport gedacht sind. Die Bandscheiben zwischen den einzelnen Wirbeln bestehen aus einem festen Außenring und einem Gallertkern und dienen als Stoßdämpfer. Durch den täglichen Gebrauch beim Gehen, Stehen, Sitzen usw. verlieren sie an Dicke. Sobald man allerdings liegt, regenerieren sie sich, der Gallertkern nimmt aus seiner Umgebung Flüssigkeit auf und saugt sich wieder damit voll. Liegen unsere Babys hauptsächlich im Kinderwagen, können ihre Bandscheiben also keinerlei Stöße oder Bewegungen abpuffern. Da nützt auch der best gefederste Kinderwagen nichts. 

Schadet das Tragen nicht dem Rücken des Babys?

Auf keinen Fall! Es wurden Langzeitstudien durchgeführt, um herauszufinden, ob Schädigungen durch das Tragen an der Wirbelsäule auftreten. Bei keinem der begleiteten Kinder konnten diese festgestellt werden. Im Gegenteil - die Studie ergab, dass Kinder, die viel getragen wurden, weniger an Haltungsschäden litten als der Durchschnitt der Bevölkerung. Anatomisch korrektes Tragen unterstützt die gesunde Entwicklung des Rücken.

Bekomme ich nicht Rückenschmerzen, wenn ich mein Kind ständig trage?

Mit dem Tragen verhält es sich ähnlich wie beim Sport. Umso öfter und regelmäßiger wir tragen, umso stärker entwickelt sich auch unsere eigene Rückenmuskulatur. Wie im Fitnessstudio auch, wird die Belastung langsam aber stetig gesteigert, denn unsere Babys wachsen. Doch auch die Trageweise ist entscheidend. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Tragepositionen, je nach Situation und Bedarf von Tragling und Tragendem. Wird uns das Baby vor dem Bauch zu schwer, binden wir es einfach auf den Rücken. Für große und schwere Kinder bietet der Markt zahlreiche Komforttragen, die das Gewicht des Kindes optimal verteilen. Mit dem ersten Geburtstag muss noch lange nicht das Ende der Tragzeit erreicht sein. Wenn ihr wissen wollt, wie ihr auch ältere Kinder noch ohne Probleme tragen könnt, dann kontaktiert mich einfach!

Kriegt das Baby noch Luft?

Natürlich! Welche Mutter würde ihr Kind mit Absicht einem solchen Risiko aussetzen? Eine Studie der Uni Köln hat nachgewiesen, dass Kinder auch im Tragetuch mit ausreichend Sauerstoff versorgt sind. Wichtig ist nur, dass das Babys stets in der Lage ist, seinen Kopf selbstständig zu drehen. Viel bedenklicher hingegen ist der Transport in der Babyautoschale, zum Beispiel mal kurz zum Einkaufen. Hier fällt besonders bei Neugeborenen die Sauerstoffsättigung so stark ab, dass, würde im Krankenhaus dieser Wert nachgewiesen werden, das Baby sofort beatmet werden müsste! Also lieber ab ins Tuch oder die Tragehilfe!

Lernt das Kind denn überhaupt laufen, wenn es nur getragen wird?

Beim Tragen werden alle Sinne des Babys angeregt. Auch der Gleichgewichtssinn wird automatisch beim Tragen mit trainiert. Durch die enge Bindung an die Mutter, erfährt das Baby jegliche Bewegungsmuster des Tragenden, beugt sich die Mutter nach vorne muss das Baby beispielsweise leicht gegensteuern. So wird die motorische Entwicklung angeregt und die Tiefenmuskulatur trainiert. Babys, die viel getragen werden, sind oft motorisch fitter!

Verwöhnst du dein Kind nicht viel zu sehr?

Nein! Denn man kann nur denjenigen verwöhnen, der selbst für sich sorgen könnte, man es aber zum Gefallen tut. Ein Baby kann sich nicht alleine versorgen, nicht ausdrücken, was ihm gerade fehlt. Es ist mittlerweile erwiesen, dass Babys nicht ohne Grund weinen oder etwa um ihre Eltern zu ärgern. Ihr weinen ist evolutionsbedingt, denn nur so konnten sie auf sich aufmerksam machen, wenn Gefahr drohte. Erst im Alter von 3 - 4 Jahren sind Kinder in der Lage, bewusst zu manipulieren! Studien haben gezeigt, das Tragen den Aufbau einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind fördert. Sicher gebundene Kinder erkunden ihre Umwelt eigenständiger und selbstbewusster als schlecht gebunde Kinder. Verwöhnen bei Babys gibt es nicht! Nur Stärkung, Bindung, Urvertrauen und Wurzeln zum Wachsen!

Tragen? Ist das nicht voll öko?

Wer so etwas behauptet, hat sich noch nie intensiv mit dem Thema Tragen beschäftigt! Mittlerweile gibt es unzählige Hersteller für Tragetücher und Komforttragen, für jeden Geschmack findet sich das passende Design und für jeden Geldbeutel die passende Tragemöglichkeit! Die Auswahl ist riesig. Tragen ist modern und schick, bunt und elegant, verrückt oder klassisch. Öko war gestern, Tragebegeisterte treffen sich in zahlreichen Communities im Social Web und bewundern gegenseitig ihre neusten Errungenschaften. Tragen ist also nicht nur praktisch, sondern auch Trend! Du möchtest Teil dieser Community sein? Dann vereinbare jetzt Deine persönliche Trageberatung!